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Interview: Oehl

„Männer weinen Heimlich“ singt Herbert Grönemeyer 1984 im Song Männer. Nicht so Ariel Oehl, der Künstler aus Österreich zeigt seine Gefühle auf mittlerweile vier Platten, im monatlichen Newsletter, auf Instagram, auf der Bühne. Seine Lieder gehen tief unter die Haut und sind dabei alles andere als gefühlsduselig. Sie verhandeln die großen Themen der Gesellschaft und werden auf treibenden Beats serviert, mit lebendigen Bass-Lines und einer Sanftmut, die im deutschsprachigen Indiepop ihresgleichen sucht. Die Musik von Oehl ist schwer und leicht zugleich, eine Summe von Gegensätzen, die in der Musik zusammenkommt und sich, wie man in Österreich sagt, ganz selbstverständlich „ausgeht“.

Anlässlich seiner “Tour der guten Hoffnung (Verlängerung)” kommt Oehl am Samstag, 25. April, zu uns in den Club Stereo. HIER bekommt ihr Tickets für das Konzert. Und im folgenden ein Tour-Intro vom Protagonisten persönlich:

Ihr geht mit dem aktuellen Album auf Teil 2 eurer Tour durch Deutschland. Was bedeutet euch diese Tour – und mit welchem Gefühl startet ihr in die Konzerte?

Teil 1 der Tour der guten Hoffnung (2025) war ja größtenteils ausverkauft und sicher ein Höhepunkt unserer bisherigen Karriere. Jetzt gehen wir erstmals in Städte, die für uns komplett neu sind, ich weiß noch nicht was uns erwartet, aber ich bin jedesmal gerührt von der Cuteness unseres Publikums. Da sind bestimmt auch sehr sehr liebe Menschen, die sich auch für einen Abend gemeinsam mit uns emotional öffnen, darauf freu ich mich!

Was können Besucher:innen von einem Oehl-Konzert in dieser Tournee erwarten, das vielleicht anders ist als bei früheren Shows?

Ich hab seit letztem Jahr eine überwiegend weibliche Liveband um mich, und ich glaub das tut der Gesamtheit der Show sehr gut. In den letzten Jahren hab ich auch gemerkt dass Oehl Live für mich einen großer Haufen Gefühle darstellt – Ekstase im gemeinsamen Singen, Tanzen, über große Themen nachdenken, gemeinsames Blödeln und bestenfalls ganz viel Lachen, ich mach auch spontane Interviews oder hole Leute auf die Bühne, da wird aber auch die ein oder andere Träne wird verdrückt. Also für mich ist es mittlerweile wichtig bei jedem Konzert einen Raum aufzumachen, mit dem Publikum, wo man am Ende gar nicht genau weiß was passiert – aber fad wirds bestimmt nicht!

Deutschland ist für euch ein wichtiger Markt. Gibt es Städte oder Spielorte, auf die du dich besonders freust – und warum?

Vom kleinen Fachwerkhaus oder einem alten Bahnhofsgebäude über den einhundertsten Kreisverkehr zur Backstein-Kultur-Fabrik! Ich liebe diese Vielfalt! Bei unseren Konzerten reist auch die „Cap der guten Hoffnung“ mit, die ist Teil vom Merch und es soll Städte geben an denen noch niemand so eine Cap hat. Das darf sich natürlich auch gern ändern! Und wenn jemand Essenstipps in der Nähe der Venue hat, immer her damit, wir sind immer auf der Suche nach (bestenfalls vegetarischen) Köstlichkeiten aus der Region.

Wie wählt ihr die Setlist für eine Tour zusammen? Geht es eher um Dramaturgie, Energie oder persönliche Lieblingssongs?

Eine gute Setlist ist ein guter Mix. Ich fange beim Zusammenstellen immer mit den derzeit meistgestreamten Songs an, weil ich ja auch will, dass das Publikum mitsingen kann! Ein Best-Of aller Platten, quasi. Zur Unterstützung beim Mitsingen haben wir auch extra die Texte projiziert, und auch, weil man dann mein genuscheltes Österreichisch besser versteht. Das große Thema dieser Tour ist ja sowas wie „Hoffnung in Zeiten der Krise“, da spielt natürlich auch die Dramatuergie eine Rolle. Wir spielen einige dancy Songs ohne Pause, aber auch einige Stücke in Akustik-Versionen, und dann erzähle ich noch ein paar Dinge aus unserem Leben. Weil ich glaube, dass eine Dramaturgie nur funktioniert, wenn man auch die Menschen hinter der Musik kennenlernt.

Eure Konzerte leben stark von Atmosphäre. Wie wichtig sind Licht, Bühnenbild und Sound für das Gesamterlebnis?

Ich weiß nicht wie objektiv wichtig Bühnenbild, Lichtgestaltung und Outfits sind, aber MIR sind sie sehr wichtig. Wir basteln unser Bühnenbild selbst, überlegen uns die Outfits jedesmal neu und programmieren auch das Licht selber. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, aber man spürt vielleicht dass wir da echt viel Liebe reinstecken, und das machen wir als Team wirklich aus Liebe zur Musik und aus Liebe für die Menschen die zu unseren Konzerten kommen.

Zwischen leisen, intimen Momenten und großen emotionalen Ausbrüchen: Wie entwickelt ihr die Dynamik eines Abends?

Ich glaub Ein Fan hat es mal sehr schön gesagt, nämlich dass sich ein Oehl Konzert anfühlt wie eine riesengroße Umarmung. Damit diese Umarmung funktioniert müssen wir erstmal das Vertrauen des Publikums gewinnen – und dafür legen wir uns ziemlich ins Zeug. Hat aber immer noch super geklappt!

Gibt es einen Song, der live noch einmal eine ganz andere Wirkung entfaltet als auf Platte?

Songs wie In drei Leben, Wolken oder Brumm Brumm gehen live extrem ab, da bewegen sich bestenfalls alle im Saal! Manche Songs wie „Keramik“ oder „Als wir uns liebten“ spielen wir ganz klein und akustisch, da gehen wir zu viert an die Bühnenkante, das sind die Songs wo man glaub ich zum ersten Mal hört wie sie geschrieben wurden und wie viel Verletzlichkeit in ihnen – uns in uns – steckt.

Was unterscheidet für dich ein gutes von einem außergewöhnlichen Konzertabend?

Ein gutes Konzert klingt solide und man hatte einen guten Abend, aber ein außergewöhnliches Konzert klingt nicht wie die Platte – sondern man merkt, dass die Band nicht einfach ihr Programm spielt. Man merkt, dass die Menschen auf der Bühne in diesem Moment wirklich anwesend sind, musikalisch Raum ist für spontane Glanzmomente der einzelnen Bandmitglieder aber sie sich auch verletzlich zeigen können. Wenn das klappt, dann ist jeder im Publikum Teil dieser Erfahrung. Als Künstler merke ich wenn es außergewöhnlich war oft daran, dass die Leute gar nicht gehen wollen und oft noch eine Stunde nach dem Konzert am Merch anstehen.. Da bin ich meist auch und übersehe die Zeit beim Quatschen (upsi), aber Merch, also Platten oder ein „Cap der guten Hoffnung“ signieren lassen ist bei uns fixer Bestandteil!

Wie nehmt ihr das deutsche Publikum wahr? Gibt es Unterschiede zu Shows in Österreich oder der Schweiz?

Ich selbst komme aus Salzburg, da ist da Publikum oft sehr steif und zurückhaltend, auch wenn Leute mir danach sagen dass es das beste Konzert ihres Lebens war. In Deutschland hängt das auch von den Städten ab, aber die meisten dieser Tour kenne ich noch nicht und bin gespannt, wie es wird! Ich halt es aber auch für Quatsch, einer ganzen Stadt eine Stimmung zu unterstellen und sehe da die Verantwortung eher bei uns. Bringen wir alle zum Tanzen? Wunderbar! Zum Tanzen, Lachen und zum Weinen? Jackpot.

Wenn jemand euch zum ersten Mal auf dieser Deutschland-Tour live erlebt – was soll dieser Abend bei der Person auslösen?

Es gibt mittlerweile ein paar tolle Menschen, die für unsere Shows durch ganz Deutschland reisen, die immer und immer wieder kommen! Das ist natürlich etwas viel verlangt, aber wenn sich jemand denkt: „Das war schön! Da bringe ich beim nächsten Mal Leute mit, denen ich das auch zeigen möchte!“ wäre das perfekt.

Interview: eskapaden. Foto: Tom Cavadini

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